Zurück ins Leben

Zurück ins Leben

Wenn alles funktioniert – aber nichts sich richtig anfühlt

Ich habe lange geglaubt, Klarheit entsteht durch Denken. Ich habe verstanden, analysiert und organisiert. Und trotzdem fühlte sich mein Leben nicht klar an.

Ein Alltag, der keinen Raum lässt

Mein Alltag war durchgetaktet. Montag bis Freitag Arbeit. Abends Hausaufgaben mit den Kindern. Dazwischen Musikunterricht, Sport, Arzttermine. Alles doppelt, weil ich zwei Kinder hatte und alles allein getragen habe.

Samstag war Erholung, also habe ich meistens geschlafen und mich von der Woche erholt. Sonntag war der Vorbereitungstag. Also Trainings entwickeln, Moderationen planen, Steuer erledigen, Wochentermine abstimmen, Hausaufgaben der Kinder checken. Es lief. Aber es fühlte sich nicht nach Leben an.

Der Moment, der hängen bleibt

Ich erinnere mich an einen sonnigen Sonntagnachmittag. Die Kinder waren fertig mit ihren Hausaufgaben. Das Wetter war perfekt. Und ich saß mit einer langen To-do-Liste am Tisch. Mein einziger Gedanke war: „Warum bin ich eigentlich nie fertig?“
Ich habe weitergemacht. Wie immer. Ich hatte ja keine Zeit.

Funktionieren statt fühlen

Was keinen Platz hatte, war ich selbst. Nicht meine Gedanken. Die hatte ich viele. Sondern mein Gefühl. Ich wusste, dass ich Pausen brauche. Nur: ich konnte sie nicht spüren. „Ich schaff das schon“ war mein Mantra.
Ich habe funktioniert. Und genau das war mein Problem. Viel später haben ich etwas über funktionale Depression gelesen. Ob ich das hatte? Keine Ahnung, aber ich hatte mich in vielem wiedererkannt.
Du kannst dein Leben im Griff haben und dich trotzdem verlieren. Du kannst alles verstehen und trotzdem keinen Zugang zu dir haben.

Der leise Wendepunkt

Der Wendepunkt für mich war kein Plan. Ich hatte so eine Ahnung, dass ich eine Lösung nur finde, wenn ich meine persönlichen festen und sehr starken Muster verändere. Also war es eher ein stilles Eingeständnis: So möchte ich nicht weitermachen.
Mehr wusste ich tatsächlich nicht. Ich hatte mich zu einem Workshop angemeldet, über den ich nichts wusste und nichts planen konnte. Also ein ganz anderer Weg als sonst, wo ich gewohnt war, alles zu planen und mich über alles genau zu informieren.
Ohne große Erwartungen ging ich hin.

Was sich verändert hat

Dort ist nichts Spektakuläres passiert. Aber eines ist passiert: Ich habe einfach gemerkt, wie angespannt mein Körper ist. Beim Sitzen. Beim Atmen. Beim Zuhören. Bei der einfachsten Übung bin ich in Tränen ausgebrochen.

Ich habe zum ersten Mal wahrgenommen, dass ich nie wirklich zur Ruhe komme. Dass ich ständig innerlich auf Spannung bin, auch wenn im Außen gerade nichts passiert.
Und ich habe gemerkt, dass unter dieser Spannung etwas liegt, nämlich Gefühle, die ich lange übergangen habe. Das war nie dramatisch, aber eben dauerhaft, über Jahre hinweg.

Alte Muster, die uns steuern

Erst später habe ich verstanden, dass vieles, was ich für „vernünftig“ gehalten habe, alte Muster waren. Der Anspruch, alles allein zu schaffen, der Druck, immer vorbereitet zu sein, das Gefühl, nie genug zu sein.
Diese Muster haben mich stabil gehalten. Und gleichzeitig davon abgehalten, mich selbst zu spüren.

Wie Klarheit wirklich entsteht

Klarheit kam nicht durch eine bessere Entscheidung. Sie kam in kleinen Momenten.
Wenn ich kurz innegehalten habe, wenn ich gemerkt habe, dass mein Körper angespannt ist. Dann habe ich mir erlaubt, nicht sofort weiterzumachen. Nur kurz auf meinen Atem achten. Eine Lächerlichkeit, für jemanden, der normalerweise mit Volldampf durch den Alltag prescht. Aber je öfter ich mir das erlaubt habe, umso wirksamer wurde es.
Heute ist die Frage für mich eine andere: Nicht „Was ist die richtige Lösung?“ Sondern „Was nehme ich gerade wahr?“
Diese Frage verändert etwas. Sie bringt mich raus aus dem Kopf und zurück zu mir.

Und vielleicht kennst du das:
Du weißt viel. Du hast vieles durchdacht. Und wenn es in Dir still wird, fehlt dir der Zugang zu Dir selbst. Dann liegt es oft nicht daran, dass dir etwas fehlt, sondern daran, dass du dich selbst nicht mehr spürst. Klarheit beginnt genau dort.

Einladung

Wenn du beim Lesen merkst, dass dich das trifft, dann nimm dir heute drei Minuten.
Setz dich hin. Ohne Handy. Ohne Aufgabe.
Und stell dir nur eine Frage: Was nehme ich gerade wahr?
Wenn du das nicht allein erkunden möchtest: In meinen Clarity Coachings entsteht genau dieser Raum.
Kein Konzept, keine Lernaufgabe, kein „Du musst nur“. Sondern die Möglichkeit, dich wieder zu spüren.