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Entscheidungsfindung: Wie kleine Entscheidungen dein Leben verändern

in Allgemein

Ich treffe jeden Tag erstaunlich viele Entscheidungen. Die meisten davon bemerke ich nicht einmal.

Morgens fängt es schon an. Bleibe ich noch zehn Minuten liegen? Greife ich zuerst zum Handy? Mache ich mir in Ruhe einen Kaffee? Beantworte ich diese eine Nachricht sofort oder später? Das klingt ziemlich belanglos. Doch dann kommen die anderen Entscheidungen. Sage ich Ja zu einem Termin, obwohl ich beim Lesen der Nachricht schon merke, dass ich eigentlich keine Lust darauf habe? Spreche ich etwas an, das mich seit Tagen beschäftigt? Rufe ich jemanden an? Setze ich eine Grenze?  Oder denke ich: „Ach, komm. Ist jetzt auch egal.“

Und schon hat der Autopilot übernommen.

Mein Autopilot kennt sich ziemlich gut aus

Ich finde das faszinierend. Wir denken gerne, dass wir unsere Entscheidungen sehr bewusst treffen. Schließlich sind wir erwachsene, vernünftige Menschen.

Mein Kopf kann mir jedenfalls innerhalb kürzester Zeit eine beeindruckende Präsentation darüber halten, warum eine Entscheidung vollkommen logisch und alternativlos war. Bei genauerem Hinsehen entdecke ich allerdings gelegentlich etwas anderes. Ich habe gar nicht entschieden. Ich habe reagiert. So, wie ich es schon hundertmal gemacht habe.

Genau darin liegt für mich ein wichtiger Schlüssel zu mehr Klarheit: Mein heutiges Leben ist auch das Ergebnis vieler kleiner Entscheidungen, die ich über Jahre immer wieder ähnlich getroffen habe.

Manche davon waren hilfreich. Andere vielleicht vor zwanzig Jahren. Und einige laufen immer noch, obwohl ich längst vergessen habe, warum.

„Ich kann einfach keine Grenzen setzen“

Ich erinnere mich an eine Frau, die überzeugt davon war, dass sie keine Grenzen setzen könne. Wenn Freunde spontan vorbeikamen, saß sie mit ihnen zusammen. Auch wenn sie müde war. Auch wenn sie eigentlich etwas anderes vorhatte. Auch wenn sie innerlich längst hoffte, dass sie endlich wieder gehen würden. Nach außen war sie freundlich. Innen lief ungefähr dieses Programm:

Jetzt kann ich sie doch nicht wegschicken. Also blieb sie sitzen.

Das Spannende daran war: Sie entschied sich in diesen Situationen nicht bewusst dafür, ihre eigenen Bedürfnisse zurückzustellen. Die Entscheidung war längst gefallen, bevor sie darüber nachdenken konnte. Erst als sie dieses Muster bemerkte, entstand ein winziger Moment zwischen Impuls und Handlung. Und in diesem kleinen Moment wurde plötzlich etwas möglich. Sie konnte sagen:

„Heute passt es leider nicht.“ Die Welt drehte sich weiter. Die Freundschaft existierte am nächsten Morgen ebenfalls noch. Und sie hatte eine neue Erfahrung gemacht.

Wir halten Gewohnheiten gerne für Persönlichkeit

Vielleicht kennst du solche Sätze: „Ich bin einfach schlecht im Entscheiden.“

„Ich schiebe solche Sachen immer auf.“ „Ich kann schlecht Nein sagen.“ „Ich bin eben chaotisch.“ „Ich brauche immer ewig, bis ich weiß, was ich will.“ Irgendwann werden aus häufig wiederholten Verhaltensweisen Beschreibungen unserer Persönlichkeit.

Dabei lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Ein Mann lässt seine Steuerunterlagen monatelang liegen. Jedes Mal, wenn er den Ordner sieht, denkt er: „Das mache ich morgen“. Eine Frau möchte seit Wochen ein schwieriges Gespräch führen. Jedes Mal findet sie einen guten Grund, warum heute ein ungünstiger Zeitpunkt ist. Jemand möchte beruflich etwas verändern und öffnet jeden Sonntagabend die Stellenportale. Nach zwanzig Minuten schließt er sie wieder.

Von außen sieht das nach Aufschieben, Unentschlossenheit oder mangelnder Konsequenz aus. Innen kann etwas ganz anderes ablaufen. Vielleicht fühlt sich die bekannte Situation sicherer an. Vielleicht möchte ein Teil von uns Konflikte vermeiden.

Vielleicht hat unser System irgendwann gelernt: Wenn ich mich so verhalte, komme ich ganz gut durchs Leben. Der Autopilot hat schließlich einen Vorteil. Er kennt die Strecke.

Große Entscheidungen beginnen oft viel früher

Wenn Menschen über Entscheidungen sprechen, denken sie häufig an die großen Kreuzungen des Lebens.

Soll ich den Job wechseln?

Soll ich mich trennen?

Soll ich mich selbstständig machen?

Soll ich umziehen?

Soll ich etwas Neues beginnen?

Natürlich sind das wichtige Entscheidungen. Ich glaube allerdings, dass viele davon lange vorher vorbereitet werden. Durch die kleinen Entscheidungen im Alltag. Jedes Mal, wenn ich meine eigenen Bedürfnisse ernst nehme. Jedes Mal, wenn ich einen unangenehmen Gedanken nicht sofort wegschiebe. Jedes Mal, wenn ich wahrnehme: Eigentlich möchte ich das anders. Und jedes Mal, wenn ich einen Moment warte, bevor ich automatisch reagiere. So entsteht allmählich etwas, das bei großen Entscheidungen ausgesprochen hilfreich ist:

Ich lerne mich selbst besser kennen.

Gute Entscheidungen kann man üben

Das gefällt mir an diesem Gedanken besonders. Entscheidungsfähigkeit ist kein geheimnisvolles Talent, das manche Menschen besitzen und andere leider bei der Verteilung verpasst haben. Wir können sie üben. Im Kleinen. Beim nächsten Ja, das eigentlich ein Nein ist. Beim nächsten „Das mache ich später“. Beim nächsten Moment, in dem wir sofort wissen, was der andere braucht – und erstaunlich wenig darüber, was wir selbst brauchen.

Ich stelle mir dann gerne drei einfache Fragen:

Was brauche ich gerade wirklich?

Treffe ich gerade eine Entscheidung oder wiederhole ich eine Gewohnheit?

Was würde ich tun, wenn ich für einen Moment ganz ruhig wäre?

Ich bekomme darauf nicht immer sofort eine brillante Antwort. Das muss ich auch nicht.

Schon die Frage unterbricht den gewohnten Film. Für einen kurzen Moment sitze ich wieder selbst auf dem Regiestuhl.

Und dann wird es interessant

Vielleicht entscheidest du dich trotzdem genauso wie vorher. Du gehst zu dem Termin.

Du verschiebst das Gespräch. Du lässt den Steuerordner noch einen Tag liegen.

Aber diesmal hast du es bemerkt. Das klingt nach wenig. Für mich ist es ziemlich viel.

Denn in diesem Moment entsteht Wahlfreiheit. Der Autopilot darf weiterhin mitfahren. Er kennt viele nützliche Strecken und erspart uns jeden Tag eine Menge Denkarbeit. Er sollte nur vielleicht nicht ständig am Steuer sitzen.  Klarheit beginnt deshalb für mich häufig sehr unspektakulär. Mit einem kurzen Innehalten. Mit dem Wahrnehmen dessen, was gerade tatsächlich da ist. Und mit der Erkenntnis:

Ich habe eine Wahl.

Vielleicht ist genau das die wichtigste kleine Entscheidung des Tages.

Möchtest du deinen eigenen Autopiloten besser kennenlernen?

Beim Workshop „Fenster zur Klarheit“ am 7. und 8. November 2026 nehmen wir uns zwei Tage Zeit, um genauer hinzuschauen.

Welche alten Muster laufen in meinem Alltag mit? Was passiert, bevor ich automatisch reagiere? Und wie entsteht wieder mehr Raum, um wahrzunehmen, was ich im Hier und Jetzt wirklich brauche?

Es geht um Erfahrung, Wahrnehmung und darum, die eigenen Muster mit etwas Abstand betrachten zu können.

Vielleicht entdeckst du dabei eine Entscheidung, von der du bisher gar nicht wusstest, dass du sie jeden Tag triffst.

Fenster zur Klarheit : 7. & 8. November 2026 am Bodensee

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Sigrid Hauer – Clarity Process Trainer
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